Liedzeilen aus dem Alltag – Interview mit Taktlos Glücklich

Es gibt viele von diesen Bands, die sich selber bierernst nehmen, die sowohl auf als auch hinter der Bühne den eitlen Rockstar geben und allerlei Ansprüche stellen. Das Trio „Taktlos Glücklich“ aus Magdeburg ist da vollkommen anders. Kaum eine Band nimmt sich selber so mit Humor und Selbstironie, egal ob auf der Bühne oder im normalen Leben.

Taktlos GlücklichText: Sandro Schröder   Fotos: Sandro Schröder

Magdeburg| Taktlos Glücklich, das sind Jens Rabitzsch, Fabian Knuth und Alexander Tetsch. In Schubladen lassen sich die Drei und ihre Musik schwer stecken, auch selber vermeiden sie jeden Vergleich mit sonst beliebten Sätzen wie „Wir sind eine Mischung aus folgenden Bands: …“. Am ehesten lässt sich ihre Musik als deutschsprachiger Gitarren-Pop beschreiben, mit anspruchsvollen Texten und Ideen.

Die Band, die gerne auch mal Spaßinterviews und unsinnige Antworten gibt, lud unseren Gastredakteur Sandro zu sich in den Proberaum ein.

Wie lange gibt es euch und wie ist die Band entstanden?

Fabian: „Als Band gibt es uns seit 2004, damals bin ich mit meinen Eltern hier eingezogen. Alexander und ich haben zu zweit begonnen, einige Coversongs zu spielen, eher für uns als für andere. Zum Geburtstag von Alex wollten wir auf seiner Party auftreten – einen Monat vorher haben wir begonnen, einen Bassisten zu suchen, da kam Jens ins Spiel.“

Jens: „Wir waren verdammt gut, zumindest dachten wir das nach dem Auftritt auf der Party, bis wir uns selber auf den Aufnahmen gesehen und gehört haben.“

Woher kam die Idee für den Namen?

Jens fragt bei den beiden Kollegen nach, ob er das wirklich erzählen könne, nach kurzer Beratung kommt die Antwort:

„Tatsächlich kommt das gar nicht von uns, eine Bekannte hatte sich ein T-Shirt mit ‚Taktlos Glücklich’ bedrucken lassen. Und selbst hatte sie das nur woanders gesehen, insofern geht die Idee gar nicht auf uns zurück. Wir haben lange überlegt, uns aber dann dafür entschieden. Der Name ist vielleicht etwas zu lang, denn wenn man den Leuten sagt, wie die Band heißt, muss man den Namen immer zweimal sagen. Seit 2005 treten wir mit diesem Namen auf.“

Wer schreibt eure Songtexte?

Jens: „Das bin dann wohl ich. Die Ideen kommen meist durch Zufall, oft kommt es vor, dass Sätze aus dem Alltag eine Liedzeile ergeben und ich dann den Text um diesen Satz herum schreibe.“

Alex: „Nachdem wir Jens öfters bei den Texten Änderungen vorgeschlagen hatten, hat uns Jens aufgetragen, einen eigenen Text zu schreiben.“

Fabian: „Wir dachten, das können wir auch. In einer Vorlesung haben wir dann unseren Text geschrieben. Herauskam im Prinzip ein ziemlich schlechter Versuch lyrisch zu sein, das haben wir seitdem lieber Jens überlassen.“

Auf der Bühne gehören neben den Liedern auch freche Sprüche und Wortgefechte zum Auftritt von Taktlos Glücklich. „Das entsteht total spontan, höchstens 1% ist davon im Voraus besprochen“, versichert Alexander.

Mittlerweile habt ihr fast überall in Magdeburg gespielt, zweimal bei den SWM MusiCids und sogar bei Rocken am Brocken. Was spielt ihr lieber, große oder kleine Auftritte?

Fabian: „Beides hat seinen Charme, aber größere Auftritte sind auch mit mehr Druck verbunden. Wichtiger als die Größe des Publikums ist, dass wir uns wohlfühlen und dass es auch eine Resonanz vom Publikum gibt.“

In den vergangen Jahren hat die Zahl eurer Auftritte abgenommen – Warum?

Jens: „2007 haben wir jedes Wochenende Konzerte gegeben, das war teilweise enorm stressig. Manchmal waren es auch zwei Auftritte pro Wochenende, die Anfahrt und die Vorbereitung werden dann doch zur Belastung.“

Alex: „Wir haben irgendwann auch aufgehört, jedes Wochenende den Durchbruch schaffen zu wollen, berühmt zu werden. Natürlich bleibt das ein Traum, aber dass es ein Hobby bleibt ist wahrscheinlicher, als Rockstars zu werden.“

Fabian: „Als Band weiter zu existieren, zu proben und den ein oder anderen Auftritt zu geben, das wollen wir beibehalten. Geld verdienen wir mit unserer Musik nicht, wir versuchen zumindest keine Verluste zu machen. Wir bezeichnen uns oft als die billigste Band der Welt, unsere Lieder gibt es alle zum kostenlosen Download und wir versuchen erst gar nicht, mit Musik reich zu werden.“

Wollt ihr noch etwas loswerden?

Fabian: „Wir grüßen alle, die uns kennen.“

Jens: „Und meine Oma und meinen Opa …“

So ganz kann das sympathische Trio die Spaßantworten eben nicht sein lassen. Wer sich für die Musik der Magdeburger interessiert, sollte einen Blick auf ihre Homepage unter www.taktlosgluecklich.de werfen.



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