Voran Voran – Geschichte bleibt spannend

Auf dem 7. Jugendgeschichtstag Sachsen-Anhalt wurde gefragt, verlangt und erinnert.

GeschichtstagText: Isabell Redelstorff   Fotos: Juliane Schulze

Magdeburg| Wer sind deine Helden? Was war gestern und ist heute? Wir brauchen viele Fragen, um uns behutsam an das Konstrukt Geschichte anzunähern. Sie wird vermittelt, diskutiert und ein jeder, ob er nun möchte oder nicht, trägt jene in seinen Händen spazieren.

Ganz am Anfang sollte stets die Überlegung stehen, Wer macht Geschichte? Wie können historische Ereignisse in verschiedenen Darstellungsverfahren einen aufschlussreichen und interessanten Gegenwarts- und Publikumsbezug erzielen? Sehen wir uns hier mit einem Problem der Aktualität konfrontiert oder setzen wir an, bei einem kollektiven Geschichtsbewusstsein, ein Begriff so mächtig und vielschichtig, dass nur ein kleiner Ablenkungsreiz in die Irre führen kann.

Wichtig, so scheint es, ist die Reflexion des Verarbeitungsprozesses von historischem Wissen. Das Engagement und das Interesse für Geschichte macht auch vor der Jugend keinen Halt. Unter der großen Ankündigung, „Held_innen gestern und heute. Wer macht Geschichte?“ fand am 09.12.2011 der 7. Jugendgeschichtstag Sachsen-Anhalt im Gesellschaftshaus der Stadt Magdeburg statt.

JugendgeschichtstagDer Freitag stand ganz im Zeichen von Erfahren, Hinterfragen und neu entdecken. In imposanter Kulisse gab ein Rahmenprogramm die einzelnen Schwerpunkte vor, ohne dabei als starres Sprachrohr für die unterschiedlichen Angebote zu wirken. Während zunächst eine formelle Begrüßung der Besucher erfolgte, fanden sich im Anschluss alle Teilnehmer bei ihren ausgewählten Workshops ein. Ein buntes Spektrum an interessanten Themen stand zur Auswahl, jedoch stets mit dem Vermerk unterschiedlicher Altersgruppen.

Bestimmte Seminare standen den Jugendlichen nicht zu Verfügung, sondern waren hauptsächlich für Multiplikatoren vorgesehen auch wenn ein Generationsgemisch die Altersgrenzen schnell überwinden ließ, aber gerade dieser Umstand ermöglichte einen vielfältigen Einblick in Diskussionstemperament, Neuentdeckungen und dem Austausch von Jung und Alt.

Themenvielfalt war das Zauberwort an diesem sonnigen Tag, den Jugendlichen standen Workshops wie „Vom Hitlerjungen Quex zum „Wüstenfuchs“ Rommel – Heldenbilder im Nationalsozialismus“, „No more heroes“ oder „Wir sind Helden?“ Zur Rolle von Stars, Idolen und Held_innen für die Jugend von heute“ sowie „Sigmund Jähn – Fliegerkosmonaut der DDR“ zu Verfügung, während sich die Multiplikatoren entweder für „Ich bin kein Held….Zeitzeugenarbeit mit Schülerinnen und Jugendlichen“ oder „Held_innen im Schulbuch – eine spannende Lektüre“ entscheiden konnten.

Der zeitliche Rahmen für die angebotenen Seminare wirkte bei dem umfassenden und diskussionswürdigen Themenangebot zu knapp bemessen. Mitten in impulsiver und kritischer Auseinandersetzungen wurden Türen aufgerissen und das Klappern von Tellern und Gläsern unterbrach spitzfindige, weiterführende Gedanken. Die mittägliche Stärkung in gelöster Atmosphäre brachte weiteren Kontakte sowie reflektierende Gespräche über gerade Aufgenommenes zustande.

In hitziger Intensität konnte, wenn gewollt, der fast verlorene Gedanke von eben, noch einmal aufgegriffen und bei einem Käsebrötchen neu erdacht werden. Nach leiblicher Stärkung und sanfter Koffeinzufuhr konnte mit frischem Enthusiasmus und Erweckung der angestrengten Lebensgeister die Präsentation der „Zeitensprünge“ – Projekte begutachtet werden. Zeitensprünge?

JugendgeschichtstagEin Jugendprogramm, das junge Menschen anregt eigene historische Forschungen anzustellen und dabei insbesondere die eigene Region in den Fokus ihrer Untersuchungen zu setzen.
Mit bunten Unterschieden in Form und Aufbereitung stellte jede Schüler – und Jugendgruppe mit viel Liebe und Aufwendung ihren ganz persönlichen Blickwinkel auf einen historischen Bereich ihrer unmittelbaren Umgebung dar und auch bei kritischen Fragen konnte, wenn auch mit Aufregung verbunden, eine Lösung angeboten werden.

Die Taschen der Besucher füllten sich zunehmend mit Infomaterial und während hängende Schultern und greifende Hände vermuten ließen, dass der eine oder andere bereits viel tragen musste, blieben interessierte Augen auf kreative Darstellungsformen gerichtet. Im Anschluss führte zunächst Maurice Gajda, bekannt durch seine Tätigkeit bei Pop10 und Radio Fritz durch eine Diskussion zum Thema heutige Helden – Wie entstehen Heldenbilder?

Doch auch nach dem verbalen Austausch, wollte sich der Tag noch nicht richtig verabschieden. Das Improvisationstheater „Tapetenwechsel“ versetze die Zuschauer in einen hitzigen Gemütszustand, während manches Bein vor Aufregung kribbelte. Den Abschluss des 7.Jugendgeschichtstages bildete die zuvor angekündigte Tombola mit Verleihung der Preise, so konnte neben neuen Gedanken und Anregung des geschichtlichen Interesses vielleicht noch eine kleine materielle Erinnerung mitgenommen werden. Bleibt das Fazit: Nicht aufhören zu fragen!

 


 


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