Mit dem Europäischen Freiwilligendienst in das schöne Herz Europas

Interview: Freiwilligendienstleistende Laura Kapitza im Gespräch

LauraText: Andreas Lilienthal | Fotos: privat

Gerade noch beim Campusradio an der OVGU, jetzt schon Freiwillige im fremden Land. So erging es der Bachelor-Studentin Laura Kapitza, die sich für ein Auslandsjahr in eines der wohl schönsten und zugleich unbekanntesten Nachbarstaaten Deutschlands, Tschechien begab und als Freiwillige beim Projekt „Jugend in Aktion“ ein spannendes Jahr erlebte.

:: Ein Auslandsjahr eignet sich wunderbar, um Berufserfahrung zu sammeln. Was hat Dich dazu bewogen, diese Zeit im Ausland zu verbringen? Warum gerade Tschechien?

Ich mache einen Europäischen Freiwilligendienst – eine Initiative von der Europäischen Kommission, speziell des Projektes „Jugend in Aktion“. Junge Menschen aus ganz Europa werden motiviert und gefördert, sich für eins der vielen Projekte in Europa sowie Türkei, Georgien, Ukraine etc. zu engagieren.

Ich habe mit viel Glück einen Platz in Tschechien. Ich wollte gern diesen Freiwilligendienst in einem zentral- oder osteuropäischen Land absolvieren. Diese Gebiete sind für die meisten unbekannt, obwohl sie so viel zu bieten haben.

:: Wo hast Du Deinen EFD gemacht und welche Aufgaben durftest Du übernehmen?

Meinen EFD habe ich im ICM in Prostejov absolviert. ICM ist die tschechische Abkürzung für Jugendinformationscenter. Diese sind in vielen tschechischen Städten vertreten und haben sich zum Ziel gemacht, besonders junge Menschen über ihre Möglichkeiten im Ausland im Allgemeinen sowie Europa im Besonderen zu informieren. Das geschieht mit verschiedenen Workshops, Seminare und Aktionen.

Meine Aufgaben waren sehr vielfältig: Neben dem Angebot von Sprachkursen und -tandems haben wir Veranstaltungen und kreative Workshops für Kinder und Jugendliche organisiert.

:: Tschechien hat wunderschöne Landschaften und ein unvergleichliches Kulturgut. Hattest Du auch mal Gelegenheit, das Land zu erkunden? Wenn ja, was waren Deine Highlights?

Eine wahnsinnig schöne Landschaft. Die Felder und Wälder sind saftiggrün und wirken nahezu wie unberührt. Aber auch für Personen, die das Stadtleben vorziehen, hat Tschechien einiges zu bieten. Natürlich sind die Städte kleiner als in Deutschland, aber ich war immer wieder überwältig von der Schönheit der alten Bauten, die das Stadtzentrum zierten.

Es gibt einfach zu viele Highlights. Wenn man, bspw. mal ein Wochenende lang die eigene Leber trainieren möchte, ist ein Besuch in Ostrava, speziell der Kneipenstraße Studolní, Pflicht. Die Industriestadt ist an sich nicht die schönste, aber jeden Sommer findet in einem alten Industriekomplex das Festival „Colours of Ostrava“ statt, dass ich dieses Jahr besuchte und jedem nur empfehlen kann. Wer gern seinen Augen etwas Gutes tun will, der sollte unbedingt die märchenhafte Kleinstadt Krumlov besuchen. Nicht umsonst gewann ein Fotograf mit einem Bild dieser tschechischen Perle den diesjährigen National Geographic Traveller Photo Contest.

:: Wo hast Du während Deines Aufenthalts gewohnt? Hattest Du viel Kontakt zu Gleichaltrigen?

Ich lebte mit meiner französischen Co-freiwilligen in einer alten Wohnung, die für das Jahr ausreichend war. Da wir in einer Kleinstadt wohnten, war es nicht ganz einfach Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen, aber wir haben es doch geschafft. Die meisten sind schüchtern aber richtige Gentlemans. Davon könnten sich einige Deutsche eine Scheibe abschneiden.

Jedoch habe ich mit vielen anderen Freiwilligen aus unterschiedlichen europäischen Ländern innige Freundschaften geschlossen, die ich nicht missen möchte. Jetzt stehe eher vor dem Problem, dass ich nicht weiß, welche Freunde ich zuerst besuchen soll.

:: Welcher Unterschied ist dir in Bezug auf deine Heimat Magdeburg besonders aufgefallen?

Dass Magdeburg mit seinen knapp 230.000 Einwohnern doch ziemlich groß ist und dass ich die Großstadt doch lieber der Kleinstadt vorziehe.

:: Vermisst du schon dein schönes altes Magdeburg?

Trotz der Möllrings, Haselhoffs und Bullerjahns, die meines Erachtens gerade viel Käse fabrizieren, vermisse ich mein Magdeburg. Abgesehen von Familie und Freunde, die ich gerne wieder in die Arme schließen will, schätze und vermisse ich besonders die kleinen Dinge, die ich bisher zu wenig beachtet habe. Ich denke, dass solche Auslandserfahrungen dahingehend auch sehr nützlich sind, um das zu schätzen, was einem in seiner Heimat erwartet.


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