Johnny Rockskin – Fünf zugedröhnte N*tten

Pünktlich für ihren Gig bei Rock im Stadtpark hatten die vier Oschersleber ihr frisch gepresstes Album Five Stoned Hookers im Gepäck. Youngspeech traf sich mit zwei der vier Bandmitglieder bei einem Bier, um über ihre Musik, das Beethoven-Pult und ihre „Fehde“ mit den Rolling Stones zu reden.

Johnny Rockskin Text: Dominik Grittner, Fotos: Mirko Stödter

Magdeburg| Wir treffen uns in der WG von Martin, dem Gitarristen der Band. Die Wohnung ist sympathisch, an der Wand hängen Hochglanzposter von Stonerrock- und Psychedelic-Bands, auf der Toilette finden sich zwei Jahrgänge des Playboys. Ich, Martin, Schlagzeuger Patrick (Pat) und das inoffizielle fünfte Bandmitglied Nick sitzen auf der Couch, trinken Bier, im Hintergrund läuft das Freundschaftsspiel Deutschland-Argentinien. Der Ton ist ausgestellt, wir hören das gerade fertig-produzierte Debut von Johnny Rockskin Five Stoned Hookers.

Was soll das eigentlich bedeuten, Five Stoned Hookers, fünf zugezogene Prostituierte? „Wörtlich darfst du das nicht übersetzen, für uns hat es eine bestimmte Bedeutung“, erklärt Pat. Nach einem Weihnachtsgig im letzten Jahr in Dresden, begann die Band – unter Glühweineinfluss – erfundene Geschichten über ihre Band in ein Buch zu schreiben. Die Storys spielen Ende der 60er, Anfang der 70er, als Johnny Rockskin größer als Jesus waren und drei große Touren in den Staaten spielten: Die Destroy USA-, die Rebuild USA- und die Destroy-USA-again-Tour. Ihre Erzfeinde waren zu dieser Zeit die Rolling Stones, mit denen sie sich ständig prügelten, während sie ein Fünf-CD-Konzept-Album einspielen, die Five Stoned Hookers. „Und den Namen haben wir dann für unser Album genutzt“, sagt Martin.

Seit vier Jahren existieren Johnny Rockskin, angefangen haben sie Coversongs der White-Stripes, der Bloodhound Gang und der Kinks live in der Börde zu spielen. Einflüsse, die immer noch rauszuhören sind – Minus der Bloodhound Gang, natürlich. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Songs wie King of the Road oder In front of the Stage, die es auch auf die CD geschafft haben. Hier ist der Hardrock-Background noch deutlich rauszuhören, neuere Stücke wie das explosive The Devil’s bad Intent oder das ausufernde Lizard & Eagle liebäugeln mehr mit Psychedelic- und Blueselementen. Eine Richtung, an der die Band Spaß hat.

Highfield 2011

„Für Lizard & Eagle haben wir gejammt und mit Effekten experimentiert“, erzählt Martin. „Da kam auch das Beethoven-Pult zum Einsatz.“ Eine Art Notenständer, auf dem Effektboards für Gitarre und Gesang aufgestellt wären. Sänger Jonas habe darauf viel virtuoses Zeug ausprobiert. „Wie Beethoven eben.“ Genau das macht Five Stoned Hookers so interessant: Ein paar Soundspielerein treffen auf stadiontaugliche Yeah Yeah Yeah’s, Beatles-Anleihen auf reißende Wolfmother-Gitarren. Insgesamt wirken die neueren Aufnahmen etwas ausgereifter, spannender.

Closer des Albums ist That Song, das gerade zu Beginn an Lynyrd Skynyrd erinnert. Es ist einer der wenigen gefühlvolleren Songs auf Five Stoned Hookersbei dem insgesamt Partysongs überwiegen. Vielleicht, weil es gefährlich ist – gerade wenn man mit dem Rock’n’Roll-Image spielt – dass ernste Songs kitschig wirken? „We don’t have feelings ‚cause feelings are gay“, sagt Pat und lacht. „Nein, im Ernst: Wir legen uns da nicht thematisch fest.“ Martin nickt: „Ja, wenn er gut ist und sich richtig anfühlt, warum keinen Liebessong schreiben?“ Wenn es kommt, dann kommt es eben. „Schau dir Steel Panther an“, wirft Pat ein. „Die machen Musik über Prostitution und Drogen. Oder Airbourne, die singen nur über Rock’n’Roll. Das muss nicht schlecht sein, ist aber auf Dauer limitiert. Genau in dem Moment fängt die CD wieder von vorn an und Jonas singt „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“. Und alle lachen.

Mehr Infos: facebook.com/JohnnyRockskin


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