Gesehen: Adolar am 12.01. in der Factory

Energisch und intensiv: Die Kritikerlieblinge Adolar zeigen, dass sie für Größeres bestimmt sind. Da reicht die Bühne im kleinen Konzertraum der Factory kaum aus.

ProtestText: Dominik Grittner   Fotos: Robert Meinel

Magdeburg| Einen Tag vor dem Konzert habe ich einem Freund empfohlen, sich Adolar anzusehen. „Mal gucken“, meinte er, schlug dann auch tatsächlich auf. Womöglich ging es vielen der gut 100 Besucher so: Irgendwer hat ihnen die junge, aufstrebende Band empfohlen. Anders kann man sich nicht erklären, warum das alte Magdeburger Problem hier wieder auftritt. Dass sich kaum bewegt wird, meine ich. Aber dazu hat ja schon Kollegin Juliane im Printmagazin alles gesagt.

The Drakes aus Wernigerode eröffnen und verwandeln die Bühne in ein Wohnzimmer. Ein halbes Dutzend kaputter Fernseher und Stehlampen machen sich ganz gut im kleinen Konzertsaal der Factory. Die Musik auch: Indie-Rock trifft auf Midi-Spielereien, Garage-Riffs auf souligen Frauengesang. Mut haben sie ja. Das passt nicht immer ganz zusammen, klingt aber interessant. Gebt denen noch zwei, drei Jahre, dann bringen The Drakes sicher ein stimmiges Album raus.

Adolar legen mit Tanzen/Kotzen los, getanzt wird hier aber wenig. Das Publikum – ein Mix aus 15- bis 50-Jährigen – schaut sich den Gig distanziert an. Nach dem Konzert stimmen aber alle zu: Performen können die Wahl-Leipziger. Und abgefahren sind die Songs sowieso. Wenn Tom Mischoks lange Haare sein Gesicht verdecken, dann wirkt er immer so, als würde er in sich kehren. Der dichte Bart tut sein Übriges. Und plötzlich springt er mit seinem Bass von der Bühne und schüttelt die Matte. Als würde er explodieren.

Es fällt auf, dass die Bühne eindeutig zu klein ist. Gerade beim Titelsong des neuen Albums Zu den Takten des Programms oder dem fast epischen Wein ist meine Jacke wünscht man sich einen pompöseren Auftritt mit entsprechender Lichttechnik. Nach eineinhalb Stunden und einer Zugabe weiß man, dass die Band noch viel erreichen kann. Wenn sie denn so viele Zuschauer ziehen würden, wie die Presse es ihnen wünscht. Hoffen wir, dass sich Adolar noch weiter rumsprechen. Besagter Freund kam jedenfalls nach dem Konzert zu mir und sagte: „Danke für den Tipp!“ Bitte.


 


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1 Response

  1. 27. November 2013

    […] Europas veranstaltet. Bisher traten beispielsweise die Guano Apes, Madsen, The Muzzy Mystery, Adolar oder auch die Magdeburger Bands Tokio Hotel und In My Days an, um die begehrte Musikkrone zu […]

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