NCN 2017 – DER Abschluss des Festivaljahres für die schwarze Szene // Teil1

Es wird zur Tradition: Bereits das 12. Mal gibt es in Deutzen mit dem NCN. Jede Menge nette Menschen, Bands des EBM, Electro, Gothic, Metal und Rock und viel viel Party.

Ein Wasserturm weist den Weg. Im Kulturpark in Deutzen (Sachsen) macht man das Dutzend voll. Ausgelassene Stimmung, fast durchweg schönes Wetter und erneut das Team mit den dunklen Klamotten von Youngspeech anwesend. Was die ersten 2 Tage dabei bereit hielten könnt ihr hier erfahren!

Text & Fotos: Jörn „Schneemensch“ Rohrberg und Heike Krostitz

Liebknecht-2266_Heike KrostitzAuch in diesem Jahr wollen wir das volle Programm mitnehmen und so macht Heike sich schon am Donnerstag auf nach Deutzen zur Warm up Party. Das Gelände wirkt noch ungewohnt leer, denn es konzentriert sich alles auf die Kulturbühne.
Pünktlich um 21 Uhr wird diese dann aber mit einem Knaller und schon einigem Publikum eröffnet. Tomas Tulpe, </bdie „elektronische Bühnenwurst”, wie er sich selbst nennt, enterte mit gewohnt wirren und zappeligen Bewegungen die Bühne. Der inzwischen-Berliner und gebürtige Sachsen-Anhaltiner, sollte spätestens seit „Ich bin ein Grufti“ auch in der Szene bekannt sein – wie auch immer dies angenommen wird. Im Publikum herrscht bereits eine fast euphorische Stimmung, als er beginnt zu singen, tanzen und das Mikrofonkabel wild um sich zu schmeißen.
Wahrlich! Der „King of Trash“ ist wieder da. Was sichtlich Laune macht, denn die Fans sind überaus textsicher, tanzen ausgelassen und dies mitunter sogar auf der Bühne.

Nach diesem Erlebnis für alle Sinne folgen Liebknecht, ein Nebenprojekt von Daniel Myer. Hier gibt es anschließend atmosphärischen Sound auf die Ohren, der sich irgendwo zwischen Oldschool Electro und Techno einordnen lässt. Sehr gut tanzbar, kurzweilig und eine schöne Einstimmung auf anschließende Aftershow mit DJ Schubi, DJ Andy und DJ Shadowboy (Boris May)

Nach einigen Stunden tanzen, Spaß und baut sich viel Vorfreude auf das gesamte Festival auf… Doch dies muss warten – jetzt geht es erstmal ins Bett.

FREITAG – Der offizielle Start (für das Festival und den Schneemenschen)

Me The TigerAn einem Freitag in Deutzen, Anfang September – wieder einmal heißt es NCN, der Abschluss meines persönlichen Jahres mit Draußen-Festivals und das alljährliche Treffen bekannter Gesichter, alter und neuer Bands und jeder Menge Musik und all das in angenehmer Atmosphäre.

Es ist Freitag, ich beende alle Programme, fahre den Rechner herunter und mich selbst, mitsamt Fotoequipment, nach Deutzen. Nun, nicht ganz: Erstmalig heißt es eine Pension zu beziehen, nur unweit des Festivals entfernt. Also schnell alles im Raum verstaut, das Kraftwerk links liegen gelassen und los geht es!

Es ist 18Uhr, ich bin etwas später als eigentlich gewollt, aber immerhin zu Me The Tiger quasi rechtzeitig. Bereits letztes Jahr LINK konnte mich die Band in Ihren Bann ziehen. Damals auf der Amphibühne, mit noch schwangerer Sängerin, die mit Ihrer mit kraftvoller Stimme, einem hyperaktivem Gitarristen und gutem Sound einfach Laune machte.
Dieses Jahr etwas Ernüchterung. Die Band klingt nach wie vor gut, aber mich beschleicht das Gefühl, die Band habe die Fähigkeit, immer das gleiche Lied gleich unterhaltsam zu spielen. Es unterhält, das Publikum ist gut drauf, aber irgendwie will bei mir kein richtiger Funke zünden. Es fehlt etwas…

Ich schiebe das mal auf meine noch fehlende Ent nung nach einer langen Woche und genehmige mir etwas zu trinken und drehe eine Runde übers Gelände.

Zeitgleich mit dem Beginn von Me The Tiger befindet sich Heike bei Schonwald an der Parkbühne und beschaut das italienische Duo Alessandra Gismondi und Luca Bandini, die einen unaufgeregten Post-Punk-Wave-Sound produzieren. Sie beschreibt den Stil als hypnotisch, minimalistisch und gibt gleich mal damit auch einen Geheimtipp für Fans von düsteren, schwermütigen Klängen raus. Ich selbst komme bei meiner Runde kurz dort vorbei und habe, von der Seite hörend nur einen kurzen und leider eher eintönig klingenden kurzen Einblick. Aber ich empfinde auch trotzdem weniger Stimmung als die Band verdient hätte. Dies liegt eventuell eben an der Darbietung, die keine sonderlichen Höhen oder Tiefen hat, trotz hoher Qualität der Musik.

Morrisseys Erben und die untergehende Sonne – Der Abend

Spiritual-Front-2612_Heike KrostitzEs ist inzwischen 19Uhr, Spiritual Front starten ihr spezielles NCN-Set, dass sich aus Coversongs von Morrissey und The Smiths zusammensetzt. Ich habe noch etwas Zeit und so sind wir beide gemeinsam dort.
Der Ton ist leider anfangs schlecht gemischt und mit zu vielen Höhen versehen, so dass es etwas verzerrt klingt. Auch habe ich das Gefühl, die Band hörte sich auch nicht immer ganz so recht. 
Der Frontmann Simone Salvatori hat sich auch optisch ann das musikalische Idol angepasst und ist wie dieses Frontmann durch und durch. Besonders die Frauen werden von seinem Charisma in den Bann gezogen. Jedoch, und da sind Heike und ich uns einig, ist es natürlich kein Vergleich zur einzigartigen Stimme von Morrissey. Was aber auch dem Spaß der Leute keinen Abbruch tut und so wird mitgesungen und getanzt. Ich selbst muss leider aus Zeit- und auch musikalischen Gründen dieses Set verlassen und so wird mir nur noch später davon berichtet.

So gab es sehr gute Interpretation von Spiritual Front der Klassiker wie zum Beispiel Everyday is like Sunday, There Is a Light That Never Goes Out und auch Bigmouth Strikes Again. Die Cover-Kiste wurde also gut durchgekramt und ich denke Fans und Band kamen gut auf Ihre Kosten.

Es spielen bereits Ruined Conflict und ich bin somit wieder an der Weidenbogenbühne. Ich fühle mich an die frühen Covenant erinnert. Die Amerikaner, die oft mit VNV Nation verglichen werden, liefern eben Oldschool-EBM. Ein bisschen ist es eine Zeitreise der Musikgeschichte. Aber das zeichnet auch das Festival an sich aus finde ich – es ist immer ein bisschen wie eine Zeitreise

Leider reicht meine Zeit nicht für mehr, da mein Magen mich erinnert, dass da noch etwas elementares fehlt, um heute noch die AfterShowParty miterleben zu können. Also werden die Essenstände besucht und ich vermisse einige Stände des letzten Jahres, finde aber – natürlich – etwas leckeres und zu einem angenehmen Preis. Eigentlich nie ein Problem auf dem NCN. Verpflegung und Toiletten-Situation ist immer ausreichend, auch wenn mich jedes Jahr eine neue Abrechnungsmethode für die Besucher bei den Toiletten überrascht. Wär ja auch langweilig sonst…

Unterwegs traf ich auch einen Bekannten und erfuhr dass Sturm Café den berühmten Halbkreis vor der Bühne versammeln konnte und auch den üblichen EBM-Standard lieferte, leider mit wenig Zuschauern und auch eher uninspirierten Songs.

Wer Schonwald gut fand, wurde übrigens mit Dark Door noch etwas beschenkt, die auf der Parkbühne spielten und – man könnte sagen – eine schnellere Version von Schonwald waren.

Kurz nach Acht – Mit der Dunkelheit kommt die Stimmung

Girls under GlassAls die Primetime startet, kommen auch die Headliner heraus – das ist in meinem Fall 20:25 auf der Amphibühne die Band Girls Under Glass. Diese lieferte Klassiker zu einer leider recht unaufgeregte Bühnenshow mit nicht viel Arbeit im Licht. Die Jungs – wieder in Originalbesetzung nach 30 Jahren – wirkten engagiert aber für mich sprang der Funke nicht so ganz über.

Dies mindert aber die Freude vieler Anwesender an der Amphibühne nicht, die voll mit Besuchern war. Auch war das Material der Band im ganzen Kontrast zur Aufmachung. Es gab einen schönen Mix aus tanzbarem Material und Songs, die einfach zum Verweilen einluden. Etwas mehr Abwechslung kam natürlich auch dadurch zustande, dass die Band mehrere Sänger gleichzeitig auf der Bühne hatte, die abwechselnd sangen. Die Band bringt 30 Jahre Schaffenswerk mit diesem Auftritt zu einem Ende. Ein gelungener Abschied, etwas unpompös und eventuell grade deswegen so besonders.

ZeraphineFür mich, als bekennenden Fanboy, folgt nun endlich Zeraphine. Die Jungs um Sven Friedrich sind sichtlich in guter Stimmung und die Band funktioniert wie ein Uhrwerk. Und zwar eines dieser schicken Chronographen, nicht der preiswerten China-Teile… Sven, verletzt, aber nicht minder mobil auf der Bühne und seine eingespielte Truppe bringen neben aktuellen Songs auch Klassiker, die einen spontan 10 Jahre jünger fühlen lassen. Dazu kommt ein von Publikum gut gefülltes Gelände und diverse tanzbare Songs. Minimal sieht man hier wippende Menschengruppen, wie Gräser im Wind. Anders geht es auch nicht, da eine wahnsinnige Energie von der Bühne ausgeht. Auch die gut gelaunte Ansagen, die trotz schwerer Verletzung aus dem Zweikampf mit einer Schere hervorgingen, sind einfach etwas für Herz und Seele. Ein seltener Moment auch, als statt Smartphones die Feuerzeuge beim Song „Sterne sehen“ in die Höhe gereckt werden.

Es ist nun 22:40Uhr, Heike bereits an der Amphi und ich komme hinterher – manchmal schon etwas stressig, trotz kurzer Wege und eines übersichtlichen Geländes, das liegt aber eher an mir…

Es beginnen grad Covenant, die vor einer bis zum Anschlag gefüllten Amphibühnen-Kulisse aufspielen. Die ersten Reihen gehen gut mit und es ist für viele der 1. große Headliner und somit auch die erste richtig große Party. Da stört auch nicht das alte Phänomen, dass die hinteren Reihen oft in katatonischer Starre verharren – ob aus Begeisterung, Überraschung, Ermüdung – das bleibt dem Betrachter selbst überlassen.

Die Band selbst ist in neuer Besetzung unterwegs und dies merkt man mitunter noch, wenn Übergänge manchmal etwas holprig wirken. Auch kommt es manchmal zu Unstimmigkeiten im Songablauf und somit wirkt es, trotz viel Energie, einer professionellen Show und der bekannten Hits nicht ganz „rund“. Dramaturgisch wird das Set sicher auch nochmal etwas überarbeitet, da hier Partysongs auf lange ruhige Passagen wechseln: Das ist etwas schlecht, um die Menge über das ganze Konzert mitzunehmen und in Feierlaune zu halten. Jedoch war es kein schlechtes Konzert: Eine professionelle Show, viel Energie und Hits, aber leider eben auch nicht viel mehr.

Es ist nun dunkel, die Aftershowparty rückt näher aber auch noch ein persönliches Highlight:

Zanias! Das neueste Projekt der australisch-stämmigen und in Asien aufgewachsenen Künstlerin „Zoe Zanis“ (Alison Lewis), die mit ihren Bands Keluar und Linea Aspera bekannt ist und bereits Erfolge verbuchen konnte. Zoe schließt also den ersten Festivaltag mit einer Mischung aus Techno, Drone, Noise und… man muss es gehört haben, da hier neben Effektgeräten einfach vor allem eines in die Musik: Viel Emotion.

Nachdem die Emotionen verklungen sind und einer kurzen Umbaupause startet kurz nach 1Uhr dann DJ Daniel Myer mit dem Abschluss des Abends – der Aftershow des NCN.

Die letzten Zuckungen – Aftershowparty

Wir selbst sind dort einige Zeit und was auffällt ist, dass Hit an Hit geliefert werden. Die Übergänge sind hierbei jedoch mitunter uninspiriert oder garnicht vorhanden sind. Die Hitdichte ist jedoch extrem hoch und das Publikum honoriert das, in dem bis 3 Uhr durchgetanzt wird.


Damit endet unser Freitag auf den NCN … Samstag und Sonntag folgen bald – genau hier 🙂

 

Zusammenfassung
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NCN 2017 - Festival-Rückblick Teil 1 - youngspeech.de
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Wir waren für Euch beim NCN 2017 - Hier der Bericht der ersten 2 Tage ★ Bereits das 12. Mal gibt es in Deutzen mit dem NCN ★ DEIN Kulturmagazin
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Youngspeech Media

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