SFTU 2017 – 17. Stoned from the Underground

Unser Wochenende mit schwerem Gerät auf der Klangbaustelle in Thüringen beim SFTU 2017

»Groove, the whole groove and nothing but the groove?« Auch! Aber hauptsächlich war es »Druck, der ganze Druck und nichts als Druck« bei der diesjährigen 17. Ausgabe des Stoned from the Underground (SFTU 2017). Wir durften bereits zum 5. Mal am Alperstedter See bei Erfurt dabei sein und wurden ein weiteres Mal völlig überwältigt!

Text: René Lehmann, Karl Eric Sander | Fotos: Fabian Benecke

Bevor es zu den Bands geht, wollen wir zunächst die Rahmenbedingungen des Festivals abstecken. Man könnte meinen, beim Stoned from the Underground befinde man sich nicht auf einem Festival, sondern eher in einem Familienurlaubscamp mit verdammt guter musikalischer Untermalung. Die Vormittage und Nächte wurden von vielen am oder im hauseigenen »Lago di Alpi« oder bei Erkundungstouren auf dem »Mount Doom« verbracht. Immer dabei: die Boombox und ein paar Dosen zeltwarmes Bier. Wer keine Lust hatte sich zu bewegen, blieb im Zeltlager; grillte, lachte und trank mit Gleichgesinnten. Alles in allem klingt das doch nach einem super-entspannten Wochenende. Bis, ja bis die »Baukolone« mit ihren akustischen Sattelschleppern und Dampfwalzen anrückte, die am ganzen Wochenende den Zeltplatz in helle Aufregung versetzen sollten.

Der Donnerstag auf dem SFTU 2017

Schon bei den ersten paar Drumrolls und Riffs am späten Nachmittag ging ein Raunen durch die Zeltreihen und man hörte hektisches zusammenräumen und das Öffnen von Wegbieren. Wobei letzteres bei einem maximalen Fußweg von 5 Minuten zum Festivalgelände ein wenig übertrieben wirkte, aber einfach dazu gehört. Nachdem am Eingang die große Traube von Menschen überwunden war, entlud sich die Vorfreude beim Anblick der Tentstage und den darauf befindlichen SHOTGUN VALIUM mit einem breiten Grinsen. Die Lokalmatadore ließen ihre wilden Locken kreuz und quer durch die Luft fliegen und befeuerten mit brachialem Heavy Rock unseren Blutdruck. Ein absolut gelungener Einstand.

Wer bei Steak an saftiges Rind denkt, hat noch nicht die Bekanntschaft mit STEAK aus London gemacht. Trocken, wie ein Kaninchenfurz und gewaltig wie ein Wüstensturm, brach das Quartett über uns herein. Sie zelebrierten Stoner Rock als direkte Erben von Bands, wie KYUSS, SLO BURN oder LOWRIDER: fuzzig, melodiös und mit gewaltig dicken Eiern.

Eine Einheit aus Band und Publikum erwuchs im Anschluss auf der Hauptbühne. Berlins SAMAVAYO spielten sich und uns in einen wahren Rausch. Deutlich progressiver als ihre Vorgänger, stachen sie jedoch in dieselbe trockene und übermannende Wunde aus Sehnsucht und unterschwelliger Wut. Ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Einflüssen verpackte das Trio in ein 50-minutiges Happening irgendwo zwischen dem Orient und Palm Desert.

SFTU 2017 - Youngspeech.de - Fabian Benecke

Ein bisschen Wehmut und ganz viel Gloria

Ein wenig enttäuschten die beiden Pre-Headliner. Bei SASQUATCH setzte schnell der »AC/DC-Effekt« ein. Es war eine starke und energiegeladene Show. Wie immer – nichts Neues, kein Wandel. Aufgewärmten Fertigfraß und eine wirklich schwache Interpretation der RAMONES-Klassiker gab es anschließend bei CJ RAMONE. Wirklich schade und ein Slot der mit deutlich besserem hätte besetzt werden können.

Doch beide Bands waren schnell vergessen beim wohlverdienten Headliner dieses Abends: Was war denn da bitte bei ALL THEM WITCHES los? Die vier Jungs aus der »Music City« Nashville, Tennessee machten ihrer Wahlheimat alle Ehre und hoben das musikalische Niveau des Abends in völlig neue Sphären. Ein höchst emotionaler Auftritt der von komplexen und doch jamartigen Kompositionen, einzigartigen Melodieläufen und einer schwebenden Leichtigkeit der Performance getragen wurde. Derzeit gibt es nur wenige aktive Bands, die an die Qualität von ALL THEM WITCHES heranreichen. 60 Minuten feinster Blues/Prog/Stoner-Rock, der diesen Abend für uns unvergessen macht. Beim nächsten Mal darf es aber trotzdem ein bisschen lauter sein liebes Stoned *zwinker*.

Der Freitag auf dem SFTU 2017

Nachdem wir uns in der Nacht nochmal alle Bands haben durch den Kopf gehen lassen, waren wir am nächsten Morgen noch ein wenig wackelig auf den Beinen. Das Wetter und natürlich ein gewisser Anteil Acapulco Gold hauchte uns jedoch schnell wieder Leben in die Birne.

Eine bunte Reise durch die halbe Galaxis mit einer Menge bluesigem Groove und effektgeladenem Klangteppichen gab es dann bei MOTHERSHIP am Nachmittag. DOOL hingegen konnten nicht wirklich überzeugen. Weder die Musik, noch das Bühnenoutfit. Zu Möchtegern-Metal, zu poserig.

Fast Schlepphoden bekamen wir dann aber bei MONOLORD. Die haben sich gezogen wie ein Kaugummi auf heißem Asphalt. Mit einer fast ELECTRIC WIZARD-esken Monotonie haben sie uns gaaaaaanz langsam in ihren Hypnose-Strudel gezogen. Evil As Fuck!

Kontrastprogramm gefällig? ZEKE sind Speedrock … nur auf Speed! Teilweise etwas verstörend, aber sympathisch verstörend. Und sie sind eine absolute Schunkelgarantie. Natürlich Speedschunkeln – oder POGO! Wie manch einer es nennen würde – auf Speed! SPEEEEED!!!!

Das Leid des Musikers: In einer Menge stehen, die komplett mitgerissen wird und selber nur sabbernd mit runter gefallener Kinnlade denken: Oh Man, wie schaffen die das nur, dass sich ihre Finger nicht in sich selbst, in den Saiten oder gar Haaren verknoten? Normalerweise sind ELDER zu dritt unterwegs. Als wäre das nicht schon genug Qualität, haben sie sich noch einen zusätzlichen Live-Gitarristen ins Boot geholt. Mega Sound! Böse stimmen behaupteten der Gesang war schlecht. Ja er war nicht der Beste. Man kann wohl daraus schließen, dass der Bengel einen schlechten Tag oder vielleicht einen Frosch im Hals hatte. Beim letzten Mal war das noch anders. Dennoch war es ein ziemliches Spektakel, wenn auch diesmal nur instrumental.

Der Samstag auf dem SFTU 2017

Drum and Bass! Nein, das SFTU-Team hat nicht plötzliche Anflüge von Experimentierwahn mit elektronischer Musik. Aber die Besetzung von BEEHOVER ist eben etwas außergewöhnlich. Schlagzeug und Bass, Ende! Aber was für eine Wand: sowohl sound- als auch songtechnisch.
Stonergroove plus Kritik und Hass für alles und jeden – das sind DxBxSx. Alles gut verständlich auf deutsch rausgerotzt im charmanten Kiezslang. Auf jeden Fall eine Menge Energie und Spaß!

Junge, Junge, Junge. Die australischen Sympathen von CHILD haben den Blues augenscheinlich mit der Muttermilch bekommen. Diesen haben sie mit einer ordentlichen Portion Heavynes versetzt und zu dem gemacht, was sie da abgeliefert haben – einer mörderfetten Show und mächtig vielen fliegenden Haaren auf dem Kopf und im Gesicht.

Echte Musik von echten Kerlen auf dem SFTU 2017

Fast punkig und trashig prügelten sich die dauergrinsenden EARTH SHIP durch ihre Show. Diese Leute waren einfach nur echt. 1000% EARTH SHIP die uns auf jeden Fall überzeugten und mitrissen.

ACID KING hat uns dieses Mal nicht so hypnotisiert, wie bspw. 2013. Ja ja, wir werden alle älter. Trotzdem eine solide Nummer.

Die Preise für den besten Sound, den größten Druck und die höchste Lautstärke gehen in diesem Jahr, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, an: KADAVAR. Ich weiß nicht, wie sie es machen, doch auch nach dem gefühlten 100. Mal Live erleben ballern die Berliner uns immer noch komplett weg. Das wird nicht langweilig. Und schon gar nicht, wenn man auf Mähnen steht. Ein wenig vom neuen Stuff hätten sie aber dennoch spielen können.
Nachdem auch in diesem Jahr unsere »Post Stoned Depressions« überwunden sind, können wir festhalten, dass es mal wieder ein wunderschönes Festival mit außergewöhnlichen Bands und fabelhaften Erlebnissen war.

Nach dem Stoned, ist vor dem Stoned. Wir freuen uns schon tierisch auf nächstes Jahr.

SFTU 2017 - Youngspeech.de - Fabian Benecke

:: Mehr Informationen zum Festival unter http://www.caligula666.de

Zusammenfassung
Artikel
SFTU 2017 – 17. Stoned from the Underground - youngspeech.de
Beschreibung
Wir waren für Euch auf dem Stoned from the Underground Festival 2017 ★ Ein ausführlicher Bericht vom SFTU 2017 Festival in Erfurt ★ DEIN KULTURMAGAZIN
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Youngspeech Media

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1 Response

  1. Sterni sagt:

    Es war wieder endgeil dieses Jahr! Bitte immer so weiter machen!

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