SFTU 2014 – Endlich bin ich zu Hause!

Seit nunmehr 14 Jahren gibt es das Stoned from the Underground (SFTU). Die Zeit fliegt. Passend dazu entführte uns das Festival in fremde Welten und ferne Zeiten. Doch zunächst in standesgemäß viel, viel Schlamm!!!

STFUText: René Lehmann | Fotos: Fabian Benecke

Heftige Regengüsse verwandelten das Festivalgelände im Vorfeld in eine wahre Schlammgrube. Doch das störte nun wirklich niemanden. Die hartgesottenen Stoner machten aus dem Übel das Beste und so wurde bereits am ersten Tag der festivaleigene Hügel zur offiziellen Rutschbahn erklärt und unterhielt Rutschende und Zuschauer vor und zwischen den Acts. Sauber wurde man eh fix bei badetauglichen Temperaturen im Alperstädter See, der nur wenige Meter entfernt auf die dreckigen Festivalbesucher wartete.

Tag 1 – Zeltaufbau und fertig machen zum Start.

Nach verspäteter Anreise und der, durch die erwähnten äußeren Einflüsse, erschwerten Suche nach einer geeigneten Möglichkeit unser Basislager aufzuschlagen, waren es VINTAGE CARAVAN die als erste Band unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. Gewaltig schallte es zu uns rüber. Ganz klares Zeichen sich bald zur Startrampe aufzumachen. Nichtmehr nur im Ohr sondern dann auch vor den eigenen Augen: VALIENT THORR. Schnell. Hart. Bärtig. Gut. Mehr muss nicht gesagt werden. Hört rein. Es wird euch überzeugen. Definitiv!

Doch nun zum großen Highlight dieses Tages, ja vielleicht für viele sogar des ganzen Festivals: PENTAGRAM. Die Doomrocker aus den USA verkörpern den Begriff Underground wie wohl keine zweite Band dieses Genres. Durch eine eher als zerrüttet zu bezeichnende Bandgeschichte nie wirklich kommerziell erfolgreich gewesen, sind sie dennoch seit den 70ern eine wahre Größe in der Doomwelt. Und so fanden geschätzt alle Festivalbesucher, vielleicht auch noch ein paar mehr, den Weg vor die Bühne, um später erzählen zu können: „Eyyyy die hab ich mal Live gesehen!“ Ein absolutes Muss! Allein schon Bobby Liebling. So morbide und grotesk war zuletzt wohl nur Ozzy als er ´82 der Fledermaus den Kopf abgebissen hat. Die Musik? Absolut genial! Schöner „Oldschool“ Doommetal. Die Anfänge eben. Der Grund, warum wir alle diese Art der Musik lieben! Perfekter Abschluss des ersten Tages.

Tag 2 – „Einen vorn Latz kriegen und wegschweben.“

Vollkommen weit entfernt von allem was bekannt ist und doch so unfassbar vertraut und warm: MARS RED SKY. Meine neue große musikalische Liebe. Anders kann ich es einfach nicht ausdrücken. Der Auftritt beim Stoned hat mich so derart vom Hocker gefegt – mir fehlen fast die Worte. Die Gitarre: Ein Monster! Dominant wäre hier das falsche Wort. Sie fügte sich perfekt in das Trio mit Schlagzeug und Bass ein. Jedoch … ach egal, man muss ja nicht immer ein passendes Wort finden. Auf jeden Fall fesselte sie alles und jeden, das im Umkreis war, durch ihren einerseits unbändigen Fuzzsound, der Mauern zum Einsturz bringen konnte und andererseits durch die wunderschönen, unendlichen Soli, die einen binnen kurzer Zeit durch verschiedenste Gefühlswelten trieben. Gepaart mit Juliens einengender, aber doch so unglaublich wundervoll andersartigen, Stimme und seinem Tänzeln auf den Effekten, wunderbar kraftvollen Bassläufen und präzisestem Schlagzeug wurde diese Band zu dem Spektakel des Festivals. Auch weil wohl viele, die die Band nicht kannten beim Anblick des Gitarreros nicht mit einer solchen Urgewalt gerechnet hätten. Gefühlte eins dreißig Groß, mit schlichtem Basecap und Dreitagebart bewaffnet, verschwand Julien fast vollständig hinter seiner Cort Semiakustik.

Die zweite Band, wie war es anders zu erwarten: COLOUR HAZE! Was kann man eigentlich noch sagen? Welcher Superlativ kann noch gefunden werden für diese Band? Musikalisch? Natürlich vom allerfeinsten. Selten aber habe ich es erlebt mit welcher Sorgfalt, aber auch Gelassenheit, beim Soundcheck das Feintuning aller Instrumente von statten ging. Sie wissen genau was sie tun. Doch das tun auch andere Bands. Das Besondere an COLOUR HAZE ist, dass sie inmitten einer großen Menge spielen könnten. Sie würden darin niemals versinken. Das Publikum aber wird zu COLOUR HAZE. Man ist eins mit dieser Band ab dem ersten Ton der gespielt wird. Man fühlt sich geborgen, ja gar heimisch in diesen Klängen. Gepaart mit einem gleißenden Vollmond direkt über der Bühne, einem lauen Sommerabend und dem äußerst sympathischen Auftreten der drei Münchener wurden wir an diesem Abend alle zu Brüdern und Schwestern im Geiste. Peace und Danke für dieses Erlebnis!!!

Tag 3 – „Hoch, hoch hinaus, um dann sanft in einem Schnorres zu landen.“

STFUSamstachs um Zwölfe. Wat piljern die denn alle uff den Berch? Gelohnt hat sich der Aufstieg in jedem Fall. Den es gab: BLUTIGE KNIE. Nein, keine Sorge, es wurde niemand verletzt. Die kleine Berliner Punkkapelle BLUTIGE KNIE gab ein kleines aber feines Überraschungskonzert auf dem, an den Vortagen noch als Rutschbahn genutzten, Hügel. Geile Performance! Ultravintage Sound aus Ultravintage Verstärkern. Hammer gut und eine gute Einstimmung auf den letzten Festivaltag. Und wo wir grade bei Überraschungskonzerten sind. Im letzten Jahr trat ja ebenfalls eine kleine Band Namens MOTHER ENGINE auf dem Zeltplatz auf. Das große Lob was die Plauener für diese Show von allen Seiten erhielten, prädestinierte sie nun zu größeren Aufgaben. Diesmal ging es auf die große Stoned-Bühne. Sicher, ein paar kleine Wackler hier und ein paar kleine Verspieler da. Das sei ihnen verziehen, denn sie hatten dennoch einen super Sound und eine sehr gute und vor allen Dingen sympathische Bühnenpräsenz. Von denen werden wir bestimmt noch einiges hören, sehen und lesen. Und ein schöner Beweis, dass man es auch heutzutage noch als kleine Band ganz weit bringen kann.

Nun folgte dann auch ein Kracher nach dem andern. DŸSE. Das war Spaßmusik die auch noch wirklich Spaß gemacht hat. Brechersound gepaart mit unsinnig-komischen Texten. Progressiv bis zum abwinken. Einfach vollkommen übertrieben, aber im guten Sinne. Richtig gut!!! Als nächstes: UFOMAMMUT. Ganz ganz dickes Brett. Huiuiui waren die laut. Wer jetzt noch im Zelt geschlafen hat war nun definitiv wach. Ich glaube selbst in Erfurt haben noch die Fensterscheiben gezittert. Böööööses Ding! Aber auch musikalisch absolute Sahne!

Anschließend kam mir dann der spontane Gedanke mir einen Schnauzer stehen zu lassen. Ausgelöst wurde dieser Wunsch durch den würdigen Headliner GRAVEYARD. Die 70er ließen grüßen. Bluesrock vom Allerfeinsten. Selbst Schlaghosen wurden an diesem Abend wieder Trend. Es passte einfach alles bei dieser Band. Großartige Bühnenshow. Großartiger Sound. Großartiges Ambiente. Man kann wirklich nur an einem Punkt „mäkeln“: Es war viel zu schnell wieder vorbei. Das gilt im Übrigen auch für das gesamte Festival!

Danke an das Orgateam für ein wiedermal absolut und rundum gelungenes Festival mit herausragenden Bands. Man fühlt sich bei euch verstanden und schlicht und ergreifend Zuhause! Bis nächstes Jahr. Wir können es kaum noch erwarten!

:: Mehr Infos zum Festival – www.caligula666.de

 


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