Let’s Get Loud – The Baseballs in der Festung Mark

Gepunktete Haarbänder, Petticoats und Pomadenfrisuren so weit das Auge reicht. Am Freitag, den 20. Juni, luden The Baseballs in die nahezu ausverkaufte Festung Mark zu einem ganz besonderen Rock’n’Roll-Rendezvous.

SpielbetriebText: Andreas Lilienthal   Fotos: Maria Urban, Oliver Scheer

Magdeburg| Die Magdeburger Band Cindy Ciser stimmte das geduldige Publikum mit ihren harmonischen Synthie-Sounds als Kontrastprogramm zum folgenden Hauptact ein und brachte die tanzwütige Menge sogar zu den ersten leicht rhythmischen Bewegungen. Eine würdige Vorband für die kommenden Stars des Abends.

Nach gut einer dreiviertel Stunde brachten die Stagehands die drei markanten Retro-Mikros von Basti, Digger und Sam auf die Bühne und lösten damit eine Welle der Begeisterung aus. Als die drei sympathischen Jungs die Bühne betraten und die Band die ersten Töne anstimmte, begann das Publikum in der Festung frenetisch zu klatschen. Auch wir konnten uns den Rock’n’Roll Klängen nicht entziehen und unsere Tanzbeine wippten unweigerlich, beinahe automatisch, vorzugsweise im Takt, während um uns herum besonders die älteren Konzertbesucher den Tanzstil der 50er Jahre nahezu in Perfektion ausübten. Die Mädchenherzen der ersten Reihe schmolzen dahin, denn die Jungs verstehen wahrlich ihr Handwerk und wissen, wie sie die Frauen in ihren Bann ziehen! Ganz einfach tief in die Augen geschaut, verschmitzt gelächelt und der perfekt einstudierte Hüftschwung zur richtigen Zeit angewandt und schon bekommt jede noch so harte Dame weiche Knie.

Nachdem sie ihre ersten Hits wie Don’t Cha von den Pussycat Dolls, Hot’n’ Cold von Katy Perry und Hello vom französischen House-DJ Martin Solveig mit Bravour über die Bühne gebrachte hatten, überraschte die gesamte Band inklusive Drummer, Gitarrist, Bassist und Pianist mit einem gekonnten A cappella, zu dem sogar Bastis Ex-Lehrer mit den Worten „Wenn Sie so eine coole Sau sind, wie es ihre Sonnebrille vermuten lässt, passen sie perfekt zu uns“, auf die Bühne geholt wurde. Nicht nur das erstaunlich gute Rhythmusgefühl des Lehrers, sondern auch die Sangeskünste der Backgroundmusiker überraschten bei dieser Programmnummer. Basti merkte man die Freude über das Heimspiel in seiner Geburtsstadt während des gesamten Konzerts förmlich an. Mit amüsanten und vor allem tiefblickenden Anspielungen an seine Schulzeit zog die Band auch die letzten noch verhaltenen Zuschauer in ihren Bann. Spätestens bei ihrem kurzen, aber dafür sehr gelungenen Ausflug zum Kulthit Hit The Road, Jack klatschten und sangen alle Zuschauer im Chor mit.

Frankenstein Am meisten überraschte an diesem Abend jedoch die Begleitband, welche sich mit diversen Soli und Instrumentalparts im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib spielte. Nicht ohne Grund stimmte das gesamte Publikum Basti mit einer Klatschorgie bedingungslos zu, als er meinte, dass keiner so leidenschaftlich den Kontrabass zupft wieKlaas Wendling, keiner die Tasten so virtuos streichelt wie Pianist Jan Miserre und erst recht keiner so derb die Drums malträtiert wie Schlagzeuger Tomas Svensson, der Schwede.

Nach über zwei Stunden voller bekannter Hits, amüsanter Anekdoten, begeisternden A cappella-Einlagen und einer zirkusreifen Bühnenshow klang das Konzert eher unspektakulär mit Born This Way von Lady Gaga aus, denn die langsam eintretende Müdigkeit war allen Beteiligten anzumerken. Alles in allem eine bunte Live-Petticoat-Sause im großen Stil, einzig der Preis von 38 € pro Karte im VVK hinterlässt einen kleinen Wehmutstropfen. Doch das dürfte echte Fans nur wenig stören. Magdeburg kann sich jedenfalls schon jetzt auf das nächste Konzert seines Magdeburger Kindes Basti samt Band freuen. Bis dahin kommen die schönen gepunkteten Kleider wieder in den Schrank und die Pomade wieder in die Dose. Doch der nächste Anlass kommt bestimmt.



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