Gesehen: We Invented Paris und Moritz Krämer

Mit Witz und Charme spielten We Invented Paris und Moritz Krämer am 19. Februar in der Festung Mark ein angenehmes Wohnzimmerkonzert.

FrankensteinText: Laura Kapitza   Fotos: Robert Meinel

Magdeburg| Verspätungen gehören nicht gerade zu den beliebten Dingen im Leben, besonders nicht bei Konzerten. Aus technischen Gründen begann das TV Noir-Konzert eine Stunde später als geplant, was an der Laune der Besucher jedoch nicht zerrte. Das war schnell vergessen, als We Invented Paris und Moritz Krämer die Bühne betraten und abwechselnd ihre Lieder performten. Eine gelungene Variante, wodurch kein Künstler im Schatten des anderen stand und die sich vom herkömmlichen Konzertablauf abhebt.

Die kleine Bühne und die vielen Sitzmöglichkeiten ließ eine familiäre Wohnzimmeratmosphäre aufkommen, die durch rot-bläulichem Licht in Szene gesetzt wurde. Der rustikale Charme des Ambientes unterstützte das Ganze. Leider trübten die offenen Gänge und die unangenehme Kühle etwas die Stimmung, doch mit Bier und heißen Getränken konnte man bis zum Konzertbeginn dagegenwirken.

Den Beginn machte Moritz Krämer – ausgerüstet mit seiner Gitarre und in Begleitung eines Violoncellos. Seine Lieder beeindrucken mit ehrlichen und direkten Texte, wie man es im Song Nichts getan, der über Moritz‘ Exfreundin handelt, hören kann: „Und wenn du ankommst, dann ruf kurz an / Ich wollte nur sagen, dass du mich Kreuzweise kannst.“ Jeder Song von ihm klingt trotz der klassischen Performance mit Gitarre und wahlweise Klavier oder Streichinstrument anders und nimmt Hörer auf eine Gefühlsreise mit. So folgt man den Klängen von 90 Minuten mit einer nachdenklichen Miene, hingegen man bei der Geschichte des kleinen Spatz nicht aufhören kann zu schmunzeln und zu kichern. Vor lauter Witz bemerkte man kaum, dass er beim Lied kurzzeitig den Text vergaß.

Für kleine Überraschungen sorgte das Musikkollektiv We Invented Paris. Einige Songs – wie Silence – sangen sie von der Mitte des Publikums statt von der Bühne aus und hielten zwischen jedem Song einen kleinen Schwatz mit dem Publikum. So erfuhr man, wie die Musiker zur Erfindung der Wumba-Bumba-Trommel inspiriert wurden: Beim Couchsurfing gaben sie immer kleine Wohnzimmerkonzerte und da ein großes Schlagzeug sperrig und zu laut war, erfand man diese Trommel.

FrankensteinWie bei den vorherigen Konzerten wurden auch diesmal Freiwillige gesucht, die ein Bild malten, was zum Ende des Konzerts hin für 25 Euro versteigert wurde. Das Geld wird der Aktion Eine Kuh für Peru gespendet, bei der ein Bauer aus Peru eine Kuh geschenkt bekommt. Neben der künstlerischen Ader durfte das Publikum seine Gesangstalente beweisen: Alle Leute im kleinen Saal trällerten ein einfaches E, was ein Crewmitglied mit einem kleinen Keyboard aufnahm und kreativ in das Lied einbettete. Dass Musiker auch nur Menschen sind, zeigte sich beim Lied Bohème, als Flavian Graber bei „Bohème, je t’aime“ den letzten hohen Ton nicht ganz traf. Die Jungs griffen dies auf und sangen die nächsten Strophen mit humorvoll-übertriebenen Bass-Stimmen. Die Gäste waren begeistert.

Bei dem ganzen Spektakel vergaß man schnell die Zeit und so war man auch schon am Ende des Abends. Das Ensemble hat sich dafür etwas besonderes ausgedacht und spielten zusammen Nothing To Say. Nach insgesamt vier Zugaben von den Künstlern – sowohl gemeinsam als auch allein – war dann wirklich Schluss und wahrscheinlich hat nun jeder Gast den Wunsch, sich den Sonntagabend mit einem Wohnzimmerkonzert zu versüßen.



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