Kettcar – Zwischen den Runden

„Und während wir durch die Gegend rannten“ und ich mich immer mehr verliebte – Kettcar ist eine Band, die alles anders macht und doch immer Kettcar bleibt.

Text: Jenn Rudloff  Foto: Andreas Hornoff

Magdeburg| Früher habe ich Unwissenden die Musik Kettcars immer so erklärt: Marcus Wiebusch singt von der Beschissenheit des Lebens und davon, dass wohl nichts besser wird und wir uns verdammt nochmal jetzt damit abfinden. Zwischen den Runden ist anders, es zeigt uns immer noch traurige Seiten des Lebens, wie in Zurück aus Ohlsdorf. Es ist die Geschichte über einen Freund, den man lange nicht mehr gesehen hat und nun, auf dessen Beerdigung, doch an der gemeinsamen Zeit hängt. Aber der opulente Opener Rettung, in dem die perfekte Liebeserklärung präsentiert wird – „Es ist nicht das, was man empfindet / Nicht nur das, was man fühlt / Nicht, was man voller Sehnsucht sucht / Liebe ist das, was man tut“ – zeigt dem Hörer schöne Seiten. Dieses Hoch auf die Liebe erstreckt sich weiter in Schwebend und Weil ich es niemals so oft sagen werde. Ein Lied, das einen in den Bann zieht. Auf einmal ist man auf der Bühne, Marcus Wiebusch steht vor einem, die Lichter gehen an und die Geigen haben ihren Einsatz nicht verpasst.

Kettcar werden älter und sie nehmen ihre Musik mit, um sie mit ihnen wachsen zu lassen. So beschreibt R.I.P. das „ständige Umfallen, das ständige Aufstehen“ im Leben. Der Song ist so dumpf, dass man ihn richtig laut hören muss, damit er wirkt. Und dann geht man durch die Stadt und singt so laut man kann „Ich wollte nicht ertrinken, fing langsam an zu sinken – mit meinen Schwimmflügeln aus Blei.“ Das Livealbum Fliegende Bauten hat seine Spuren hinterlassen. Geigen und die Keyboardkünste von Lars Wiebusch treten an einigen Stellen in den Vordergrund – und so wird das Album insgesamt etwas ruhiger.

Für die Fußwipper gibt es den Song Im Club, der musikalisch flotter unterwegs ist und die lauten Töne durchkommen lässt. Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd, mein absoluter Lieblingssong, ist das Tanzstück der Platte und erzählt die Geschichte eines Paares, welches einfach nicht zusammen passt und sich deswegen auf ihrer gemeinsamen Reise immer mehr verliert, traurig und schön zugleich, denn „Ein Teil von mir wird dich immer vermissen“. Erkenschwick besingt den Traum vom Abhauen aus seinem Leben mit der Einsicht: „Wenn du nicht hast, was du liebst, musst du lieben, was du hast“. So kommt der kleine Junge mit seinem Koffer wieder nach Hause.

Wenn ein neues Album einer meiner favorisierten Bands erscheint, dann hoffe ich ganz insgeheim, ohne es mir eingestehen zu wollen, dass es so ist wie die Platten, die ich bereits von ihnen kenne. Und doch will ich was Neues hören. Oft gelingt es nicht, da gibt es extreme Wendungen und Experimente, aber Kettcar, die lassen einen nicht im Stich. Zwischen den Runden ist neu und spannend und doch ganz Kettcar. Man hört die Lieder hunderte Male und entdeckt immer wieder etwas, was man vorher nicht gehört hat. Und gleichzeitig klingen die Stücke nach dem ersten Hören so vertraut.

 

 

 


 


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