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	<title>Schauspielhaus Magdeburg Archive - youngspeech.de</title>
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	<description>Das Literatur und Kulturmagazin</description>
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		<title>Theater für die Sinne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominik_Grittner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 10:53:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Guglielmetti]]></category>
		<category><![CDATA[Das Guericke-Labyrinth]]></category>
		<category><![CDATA[Heide Kalisch]]></category>
		<category><![CDATA[Jeremias Koschorz]]></category>
		<category><![CDATA[Jo Fabian]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin Smith]]></category>
		<category><![CDATA[l Brian Smith]]></category>
		<category><![CDATA[Luise Audersch]]></category>
		<category><![CDATA[Magdeburger Trilogie]]></category>
		<category><![CDATA[Michaela Winterstein]]></category>
		<category><![CDATA[Otto von Guericke]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wittig]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ersten Teil in der Magdeburger Trilogie inszenierte der Medienkünstler Jo Fabian Das Guericke-Labyrinth. Ein ästhetisches Erlebnis mit Interpretationsaufforderung an jeden einzelnen Zuschauer. Text: Daniel Jakubowski &#160; Fotos: Nilz Böhme Magdeburg&#124; Ein treibender Rhythmus aus den Lautsprechern begleitet die gleichförmigen Bewegungen der Schauspieler über die weißen&#46;&#46;&#46;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Als ersten Teil in der<em> Magdeburger Trilogie</em> inszenierte der Medienkünstler Jo Fabian <em>Das Guericke-Labyrinth</em>. Ein ästhetisches Erlebnis mit Interpretationsaufforderung an jeden einzelnen Zuschauer. </strong></p>
<div>
<p style="text-align: left;"><img decoding="async" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP///yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7" style="float: left; margin-right: 10px;" src="https://www.youngspeech.de/wp-content/gallery/guericke-labyrinth/k-guericke-labyrinth02nilz_boehme-text-01.jpg" alt="Spielbetrieb" width="355" height="auto" /><span style="color: #696969;">Text: Daniel Jakubowski  &nbsp; Fotos: Nilz Böhme</span></p>
<p><strong>Magdeburg|</strong> Ein treibender Rhythmus aus den Lautsprechern begleitet die gleichförmigen Bewegungen der Schauspieler über die weißen Platten auf der Bühne vor der weißen Leinwand. In einer Art verlangsamtem Marsch laufen die Männer von rechts nach links und die Frauen entgegen gesetzt über die Bühne – im Kreislauf, immer wieder, eine Endlosschleife.</p>
<p><em>Das Guericke-Labyrinth</em> ist ein szenisches Kunstwerk aus choreografierter Bewegung, Musik und Detailszenen. <strong>Luise Audersch</strong>, <strong>Heide Kalisch</strong>, <strong>Michaela Winterstein</strong>, <strong>Jeremias Koschorz</strong>, <strong>Andreas Guglielmetti</strong>, <strong>Silvio Hildebrandt</strong>, <strong>Peter Wittig</strong> sowie die beiden Kinderschauspieler <strong>Brian</strong> und <strong>Kevin Smith</strong> zelebrieren ein Kabinett aus Mimik und Gestik. Langsamkeit und Wiederholung sind die zentralen Elemente der Inszenierung. Dadurch wird eine spürbare Spannung aufgebaut. Jedes Geräusch, jede Kleinigkeit, jede Bewegung wird intensiv zelebriert. Die Sinne werden mit fortschreitender Aufführung überscharf. Wenn <strong>Michaela Winterstein</strong> mit einem Tablett voll klirrender Gläser behutsamen Schrittes über die Bühne läuft, klingelt jeder Ton in den Ohren, ist die ganze Welt ein Klirren. Das kann beim Zuschauen sogar regelrecht schmerzhaft werden.</p>
<p>Das Auftragsstück von <strong>Jo Fabian</strong> ist der erste Teil der <em>Magdeburger Trilogie</em>. Der Choreograf, Regisseur und Bühnenbildner hat Inhalte und Bilder aus der Zeit Otto von Guerickes auf die Bühne gebracht, die verfremdet, verzerrt oder ausschnitthaft dargestellt werden. Die namenlosen Figuren entstammen dem Dreißigjährigen Krieg: Verwundete, blutende Menschen. Er arbeitet mit Lauftexten auf der Leinwand, eingesprochenen Texten über Lautsprecher und viel Musik. Gesprochener Text der Schauspieler ist auf ein Minimum reduziert. Nur wenn Guericke selbst zu Wort kommt, spricht vom linken oder rechten Bühnenrand einer der Namenlosen. Die Texte sind vom und über den Magdeburger Namenspatron – denkt man: Was hier historisch und was absichtlich abgeändert oder assoziativ zusammen geführt worden ist, lässt sich kaum ausmachen.</p>
<p style="text-align: left;"><img decoding="async" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP///yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7" style="float: right; margin-right: 0px;" src="https://www.youngspeech.de/wp-content/gallery/guericke-labyrinth/k-guericke-labyrinth05nilz_boehme-text-02.jpg" alt="Frankenstein" width="283" height="auto" />Denn die Idee Fabians zielt nicht auf Eindeutigkeit ab. Im Interview erklärt er: „Heute wissen wir, dass nur 25% der Energie des Universums im Bereich der Materie stecken. Und in dem Teil des Alls, den Guericke erforscht hat, liegen die restlichen 75%.“ Das Erleben dieses auf Performance fokussierten Abends lässt sich analog betrachten – 75% des Geschehens bedarf einer persönlichen Deutung durch den Zuschauer, nur 25% ist manifeste Inszenierung. Oder mit den Worten Guerickes im Stück ausgedrückt: „Wenn man etwa ein fremdes Tier nicht kennt, muss man es sich vorstellen – so muss man sich auch das Unendliche vorstellen.“ Das Bühnengeschehen wird zum Raum von Imagination und Deutung der individuellen Wahrnehmung. Es wäre daher sinnlos, eine konkrete Interpretation des Stücks zu geben, die sowieso nur Teile des Gezeigten aufdecken könnte.</p>
<p>Diese Inszenierung ist nicht nur ein Ereignis, sondern vor allem ein Erlebnis. Sie speist sich aus einer enorm dichten Atmosphäre. Sie gibt Rätsel auf und wirft Happen hin, die beim Kauen immer neue Geschmäcker hervorbringen. Und sie packt zu. Durch das unheimlich deutliche und filigrane Spiel der Darsteller muss man vor sinnlicher Faszination fast keuchen.</p>
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		<title>Hello Dolly &#8211; Premiere im Opernhaus Magdeburg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Lilienthal]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 17:37:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[April Hailer]]></category>
		<category><![CDATA[Dolly Levi]]></category>
		<category><![CDATA[Hello Dolly]]></category>
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		<category><![CDATA[Leonard Prinsloo]]></category>
		<category><![CDATA[Magdeburg]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Liske]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ernst]]></category>
		<category><![CDATA[Musical]]></category>
		<category><![CDATA[Opernhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Pawel Poplawski]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielhaus Magdeburg]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Magdeburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Samstagabend feierte in Magdeburg ein Musicalklassiker, man möchte fast Urgestein dazu sagen, seine Premiere im Opernhaus Magdeburg. Text: Oliver Scheer &#160; Fotos: Andreas Lander Magdeburg&#124; „Hello Dolly“ erzählt die Geschichte der Heiratsvermittlerin Dolly Levi, die den Auftrag hat, den reichen Geizhals Horace Vandergelder aus der&#46;&#46;&#46;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Samstagabend feierte in Magdeburg ein Musicalklassiker, man möchte fast Urgestein dazu sagen, seine Premiere im Opernhaus Magdeburg.<br />
</strong></p>
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<p style="text-align: left;"><img decoding="async" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP///yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7" style="float: left; margin-right: 10px;" src="https://www.youngspeech.de/wp-content/gallery/hello-dolly/c-hello-dolly_173_foto_andreas_lander.jpg" alt="Hello Dolly" width="290" height="auto" /><span style="color: #696969;">Text: Oliver Scheer  &nbsp; Fotos: Andreas Lander</span></p>
<p><strong>Magdeburg|</strong> <em>„Hello Dolly“</em> erzählt die Geschichte der Heiratsvermittlerin <em>Dolly Levi</em>, die den Auftrag hat, den reichen Geizhals <em>Horace Vandergelder</em> aus der Kleinstadt Yonkers an die Frau zu bringen. Eigentlich ein leichter Auftrag für die intelligente und aufgeweckte Witwe, wäre sie nicht dummerweise selber an einer Heirat mit dem ruppigen Sonderling interessiert. </p>
<p>Leider hat sie ihm zu dem Zeitpunkt bereits eine Verabredung mit <em>Irene Molloy</em>, der Besitzerin eines Hutgeschäftes, verschafft. Wäre das nicht schon genug, suchen <em>Cornelius Hackl</em> und <em>Barnaby Tucker</em>, die zwei Angestellten von Vandergelder, zum gleichen Zeitpunkt nach der großen Liebe, ohne dass der Chef davon erfahren darf. Am Ende verschlägt es alle Beteiligten an einem Abend nach New York und dort zuerst in eine große Parade und anschließend in das vornehme Lokal Harmonia Gardens und die amüsante Katastrophe nimmt ihren Lauf.</p>
<p>Eine Story wie aus einem Hollywoodklassiker braucht Darsteller, die ein Gefühl von Glamour, Eleganz aber auch Witz und Raffinesse zum Zuschauer transportieren können. Schließlich haben schon Größen wie <strong>Barbara Streisand</strong> und <strong>Walter Matthau</strong> den Figuren Leben eingehaucht. In Magdeburg engagierte man zu diesem Zweck die Schauspielerin <strong>April Hailer</strong> für die Rolle der Dolly Levi und diese Künstlerin spielt sie mit Bravour. </p>
<p>In jeder Sekunde, die sie auf der Bühne zu sehen ist, dominiert sie das Geschehen und zieht die Blicke des Publikums auf sich. Wenn sie im glitzernden roten Abendkleid die Treppe des Harmonia Gardens hinab schreitet, fühlt man sich in einen Hollywoodfilm aus den 50er Jahren hineinversetzt und lässt sich völlig in den Bann ihrer Darbietung ziehen. Auch gesanglich beherrscht sie das Geschehen und oftmals überkommt den Zuschauer das Gefühl, dass gegen Haiders Stimme der Chor nur noch ein klägliches und viel zu leises Nebengeräusch ist, das man kaum verstehen kann. </p>
<p style="text-align: left;"><img decoding="async" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP///yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7" style="float: right; margin-right: 10px;" src="https://www.youngspeech.de/wp-content/gallery/hello-dolly/c-hello-dolly_213_foto_andreas_lander.jpg" alt="Hello Dolly" width="320" height="auto" /><em>Horace Vandergelder</em>, gespielt von <strong>Markus Liske</strong> mag das Publikum dagegen nicht so recht überzeugen. Man betrachtet seine Darstellung des millionenschweren Eigenbrötlers und denkt sich, dass er noch knurriger sein könnte, viel ruppiger und garstiger. Da wäre doch noch Platz nach oben in der Darstellung des Mannes, wobei er gesanglich neben <strong>April Hailer</strong> durchaus überzeugen kann, würde er sich nur nicht von seinem weiblichen Gegenpart Haider an die Wand spielen lassen. </p>
<p>Die Ehre der Männer rettet an dem Abend der Schauspieler <strong>Michael Ernst</strong> in der Rolle des <em>Cornelius Hackl</em>. Mit großartigem Gesang, Tanzeinlagen und viel Witz spielt er sich trotz Nebenrolle immer wieder in den Vordergrund und stiehlt so manch Anderem die Schau. </p>
<p>Aber auch wenn an dem Abend neben <strong>April Haider</strong> und <strong>Michael Ernst</strong> einige der Darsteller etwas blasser aussahen, macht es ein großes Vergnügen der Darstellerriege unter Regie von <strong>Leonard Prinsloo</strong> und der musikalischen Leitung von <strong>Pawel Poplawski</strong> zuzusehen. Zumal die Inszenierung neben vielfach bereits erwähntem Hollywoodflair der alten Schule auch wunderbare Ideen für junges Publikum bereithält. Beispielsweise wenn während der Parade der 14. Straße plötzlich <em>Captain America</em>, der <em>Hulk</em>, <em>Batman</em> und einige andere Superhelden ihren kleinen Auftritt auf der großen Bühne des Opernhauses haben.</p>
<p><strong>So lässt sich als Fazit sagen, dass „Hello Dolly“ wunderbare Unterhaltung im Stile Hollywoods bietet und auch kleinere Schwächen der schönen Inszenierung gerne verziehen werden, aufgrund einer überragenden Hauptdarstellerin, vielen charmanten Charakteren, wunderschöner Musik und aufwendigen Kostümen</strong></p>
</div>
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</p>
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		<title>Überdruss und Überfluss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Lilienthal]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Oct 2011 11:12:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Absenger]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Vorpahl]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Büchners]]></category>
		<category><![CDATA[Iris Albrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Jeremias Koschorz]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Schubert]]></category>
		<category><![CDATA[Konstantin Marsch]]></category>
		<category><![CDATA[Luise Audersch]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielhaus Magdeburg]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Chrudina]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Gesellschaftskritik in Georg Büchners Lustspiel „Leonce und Lena“ wurde erst viele Jahre nach dem Tod des Autors entdeckt. In der Inszenierung von Susanne Chrudina am Schauspielhaus Magdeburg findet das Thema viel Platz. Text: Daniel Jakubowski &#160; Fotos: Nilz Böhme Magdeburg&#124; Zentrales Element von Büchners Lustspiel&#46;&#46;&#46;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Gesellschaftskritik in <em>Georg Büchners</em> Lustspiel <em>„Leonce und Lena“</em> wurde erst viele Jahre nach dem Tod des Autors entdeckt. In der Inszenierung von </strong><strong>Susanne Chrudina</strong> am <strong>Schauspielhaus Magdeburg findet das Thema viel Platz.</strong></p>
<div>
<p style="text-align: left;"><img decoding="async" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP///yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7" style="float: left; margin-right: 10px;" src="https://www.youngspeech.de/wp-content/gallery/leonce-lena/b-ll1.jpg" alt="Leonce und Lena" width="260" height="auto" /><span style="color: #696969;">Text: Daniel Jakubowski  &nbsp; Fotos: Nilz Böhme</span></p>
<p><strong>Magdeburg|</strong> Zentrales Element von Büchners Lustspiel ist die Zelebrierung des Nichtstuns, des Überdrusses in einer dekadenten Hofgesellschaft, die an ihrem eigenen Despotismus krankt. Aber da ist mehr.</p>
<p>Den Prinzen Leonce erdrückt die Gleichförmigkeit im Reiche Popo und Lena ist im Reiche Pipi einsam. Voneinander wissen die beiden nichts bis auf die Tatsache, dass ihre Vermählung kurz bevor steht. Der Prinz mit seinem Gefährten Valerio und die Prinzessin mit ihrer Gouvernante fliehen daraufhin vor dieser Zwangsehe. Unverhofft begegnen sich die vier unterwegs. In Unkenntnis des anderen verlieben sich Leonce und Lena. Um sich nicht wieder trennen zu müssen, kehren sie maskiert an den Hof zurück.</p>
<p>Das Paar erwartend, beschließt der König kurzerhand, die beiden Maskierten &#8211; die er nicht erkennt &#8211; ersatzweise zu vermählen, damit wenigstens irgendeine Hochzeit stattfindet. Nach der Eheschließung werfen die frisch Vermählten ihre Masken ab und die Verwirrung &#8211; aber auch die Freude &#8211; ist groß. Fröhlich verlässt der König die Szene, während Leonce und Lena die nun neu gewonnene Willkür des Herrschens testen, diese ihnen jedoch sehr schnell wieder überdrüssig wird und am Ende herrscht dann vor allem wieder eines: Die Langeweile.</p>
<p>Die Satire auf die Kleinstaaterei zu Lebzeiten <em>Georg Büchners</em> klingt an im Bühnenbild, das die beiden Reiche im Taschenformat nur durch einen schrägen Strich auf dem Boden trennt. Links <em>Leonce</em> (<strong>Alexander Absenger</strong>) &#8211; rebellisch und eitel zugleich im Reiche Popo in einem angedeuteten Raum mit Drehtür. Rechts <em>Lena</em> (<strong>Julia Schubert</strong>) &#8211; gekonnt naiv, hinter einem Fenstergitter sitzend, sinnierend, Sinn suchend. </p>
<p>Im zweiten Akt öffnet sich die Szene und es entsteht mit Hilfe eines riesigen Sternenhimmels, der die gesamte Bühnenrückwand bedeckt, eine Waldlandschaft. Auch zu Hofe wirkt die Satire: Der deutlich verwirrte <em>König Peter</em> (<strong>Bernd Vorpahl</strong> &#8211; gibt den zerstreuten König vorzüglich) scheint mehr aus Gewohnheit als aus Pflicht- oder gar Ehrgefühl sein Land zu regieren; und wenn der <em>Zeremonienmeister</em> (<strong>Konstantin Marsch</strong>) zusammen mit <em>Rosetta</em> (<strong>Luise Audersch</strong>) nicht müde wird, dem König zu erklären, dass dieser sich mit dem Knoten in seinem Schnupftuch erinnern wollte – aber nicht an was, ist spätestens klar: In dieser Welt wird nichts mehr als die Form gewahrt.</p>
<p style="text-align: left;"><img decoding="async" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP///yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7" style="float: right; margin-right: 0px;" src="https://www.youngspeech.de/wp-content/gallery/leonce-lena/b-ll3.jpg" alt="Leonce und Lena" width="260" height="auto" /><strong>Susanne Chrudina</strong> hat mit beißender Ironie eine Hofgesellschaft inszeniert, über deren gewollte und nicht gekonnte Ernsthaftigkeit dem Zuschauer ein lautes Lachen entfahren muss. Dazu geben auch die <em>Gouvernante</em> (<strong>Iris Albrecht</strong>) und <em>Valerio</em> (<strong>Jeremias Koschorz</strong>) viel Anlass. Der völlig überdrehte Valerio neigt ein wenig zu szenischem Überfluss, wenn er  ständig mit neuem Essen die Bühne bekleckert und wie wild zur Musik durch die Gegend wirbelt; dabei ist er aber grundsympathisch. </p>
<p><strong>Iris Albrecht</strong> in der Rolle der Gouvernante ist zudem ein regelrechtes Highlight. Die mit trockener Selbstironie dargestellte, vermeintlich mütterliche Fürsorge für Lena gelingt ihr perfekt. Als die Duos der beiden Reiche im Wald aufeinander treffen und es zum Schlagabtausch zwischen Valerio und der Gouvernante kommt, ist die Komödie vollkommen.</p>
<p>An anderer Stelle wird aber eine noch offensichtlichere Kritik deutlich. Sobald der König nach der Eheschließung die Szene verlassen hat, kommt es zur abwechselnden Rolleneinnahme der vom König übergebenen Macht zwischen den übrig gebliebenen Darstellern. Mit den völlig willkürlichen und banalen Befehlen, die dabei ausgeteilt werden, holt die Regisseurin die Zuschauer abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück. Als Lena an der Macht ist, versucht sie den Untertanen etwas beizubringen. Doch das begreift niemand und letztendlich bleibt das Pärchen allein und erneut gelangweilt zurück. <em>Was ist Herrschaft, wenn sie inhaltslos und nur um ihrer selbst Willen existiert?</em></p>
<p>Man kann über diesen Schluss, der sich auf einmal ziemlich ernst nimmt, geteilter Meinung sein. Die scheinbare Tragik der Endszene bleibt bezuglos und man verlässt ernüchtert den Schauplatz eines Stückes, das eigentlich doch mit einem zwinkernden Lächeln enden könnte. Denn die Lust und das Spiel gelingen ja auch, wenn gelegentlich Klamauk in der Aufführung steckt. Der Humor ist streckenweise genial umgesetzt, funktioniert und steht der Inszenierung gut zu Gesicht.</p>
</div>
<p> [<a href="https://www.youngspeech.de/kultur/theater/uberdruss-und-uberfluss/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=uberdruss-und-uberfluss">See image gallery at www.youngspeech.de</a>] <br />
</p>
<p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.youngspeech.de/kultur/theater/uberdruss-und-uberfluss/">Überdruss und Überfluss</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.youngspeech.de">youngspeech.de</a>.</p>
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